Donnerstag, 26. Juli 2012

Ein tanzendes Kind


Predigt am 8. Sonntag nach Trinitatis (29.7.2012)

1. Korinther 6, 9-11 + 15-20
9 Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, 10 Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben.
11 Und solche sind einige von euch gewesen. Aber ihr seid rein gewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden durch den Namen des Herrn Jesus Christus und durch den Geist unseres Gottes.
15 Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Sollte ich nun die Glieder Christi nehmen und Hurenglieder daraus machen? Das sei ferne! 16 Oder wisst ihr nicht: wer sich an die Hure hängt, der ist "ein" Leib mit ihr? Denn die Schrift sagt: »Die zwei werden "ein" Fleisch sein« (1.Mose 2,24). 17 Wer aber dem Herrn anhängt, der ist "ein" Geist mit ihm. 18 Flieht die Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, bleiben außerhalb des Leibes; wer aber Hurerei treibt, der sündigt am eigenen Leibe.
19 Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? 20 Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.

Ich bin Körper
Körper schieben sich im Gedränge wie Klötze durch Straßen, sie legen sich entblößt auf grüne Wiesen in die Sonne, ziehen sich hübsch an und malen Lippenstift auf ihre Münder; Körper streifen sich flüchtig, meiden Bewegung und Berührung; Körperaugen blicken sorgenvoll auf Körperbäuche, lustvoll auf Körperkurven, nackte Körper wiegen sich; Körper werden verletzt, operiert, widerbelebt. Körper sind durchtrainiert, schlank, schlaff und bunt angezogen, Körper sind wir jeden Tag, von morgens bis abends und in der Nacht, sind wir manchmal ungeheuer allein und wunderbar zu zweit. Unsere Körper kriegen wir nie los, wir haben sie an uns, an ihnen sind unsere Jahre zu zählen. Anfang geboren als ein Bündel verschmiertes Leben, am Ende blas als Totenleib.
Von Lob Gottes und Sünde sind unsere Körper meistens weit entfernt.
Wir sind Körper, unser Körper, es ist das Bild, das wir von außen abgeben. So sehen uns die anderen Menschen, bevor sie uns näher sehen. Unser Körper ist das Außen von uns innen drin. Er ist unser Ich nach außen gestülpt, sichtbar, spürbar, anzufassen, zu berühren. Unser Körper ist unser Membran, an dem uns die Welt um uns herum berührt, mit dem wir die Welt um uns wie einatmen, durch das hindurch Welt ins uns kommt. Unser Körper ist Verbindung nach Außen, von außen nach innen, von Innen nach Außen.
Wie wir uns ausdrücken in unseren Körper, innere Sorgen Falten werden auf unserer Stirn, so füllt die Welt uns innen an mit dem, was wir über unseren Körper spüren, Schläge wie Küsse,  zärtliche Worte, die unter die Haut gehen; Sätze, die uns verletzten wie Messerstiche. So tragen wir in uns Sehnsüchte, Hoffnungen, Wünsche, schlechte Erfahrungen, tiefe Ängste, eine Vielzahl von zugeworfenen Worten, gesehene Bildern und Menschen. Uns unser Körper kehrt, zeigt das wieder nach außen, mal verschlossener, mal nur bestimmten Menschen, mal ganz offen: gebeugte Körper, lachende Körper, weinende, hingebungsvolle, zerbrechliche.
Mein Körper gehört mir. Ich bin er – und er ist das, was in mir ist. Ihm gehört er auch.

Die Hure in mir
Das dürfen wir nicht vergessen. Daran müssen wir denken. Wir müssen aufpassen und vorsichtig sein. Auf uns und unsere Körper.
Was ist die Hure in mir? Was ist in mich eingewandert von außen, durch meinen Körper in mich herein? Was ist durch mein Körpermembran in mich gekommen und wohnt dort, hat mich wie infiziert. Was ist diese Hure in mir, vor die Paulus uns warnt? Hurerei ist das Bild, was Paulus eingeprägt ist. Heute sind es andere Bilder, anderes, was in uns einwandert und uns beherrscht, gefangen nimmt, uns selbst preisgibt und uns verkauft.
Körper begegnen, ohne sich zu begegnen, ohne nach dem da drinnen im Körper zu sehen, zu fragen, ohne dass es eine Bedeutung hätte, dass das etwas drinnen im Körper ist und auch begegnet, auch begegnen will, Sehnsucht hat, das andere im Körper des anderen sucht, berühren möchte. Körper berühren einander, ohne dass sich Menschen berühren, deren Seele. Körper bleiben seelenlos, ohne die Seele des anderen gestreift zu haben, für Sekunden, sie zu halten, sie bleiben leer, ohne die eigene Seele berührt zu haben, genährt für Sekunden.
Körper bleiben ganz im Außen, verlieren ihre Bedeutung, Verbindung zu sein, Membran nach außen und Innen, sich zu berühren und das was innen ist einander nahe zu bringen. Körper werden bedeutungsleere Körper, eigentlich leblose Körper, kalt, icharm, nach innen und nach außen. Der Körper wird bedeutungslos als nach Außen von mir, er wird losgelöst, egal, aufgeplustert, abgemagert, stilisiert, minimiert, nichts und alles, aber nicht mehr mein Körper für mich und dich. Das Innen im Körper wird verkauft.

Gottes Leib sein
Dabei sind unsere Körper mit Seelen drin teuer erkauft. Nicht mit Geld, sondern mit etwas, das keine Währung kennt, das unvergleichlich ist: Mit Jesus, seinen Körper am Kreuz, seinem Körper auferweckt. ER in mir gegeben.
Nicht vergessen. Sich erinnern. Aufpassen und vorsichtig sein: Jesus Christus ist in uns. Das mache nicht ich. ER kommt in uns, von außen, durch unseren Körper, durch das gehörte, gelesene, gesprochene Wort, durch den Heiligen Geist, der ihn in uns lebendig macht, als das, was seine Gedanken, Wünsche, Sehnsüchte, Zweifel, Gebete, Worte für uns sind.
Wir werden durch ihn befreit von den Huren in unseren Körpern, von jeder seelenlosen Begegnung der Körper. In unserem tiefsten Seelenort wohnt Jesus. Wir werden reingewaschen, geheiligt, gerecht. Unsere Körper werden zu Tempel Jesu, zu nach außen sichtbaren und wunderbar leuchtenden Behältern für Gott, seine Träger. Ich kann mich in meinem Körper durch ihn als der zeigen, der ich bin: Gottes Mensch aus Fleisch und Blut, beseelt. Unsere Körper gehören ihm, damit er in ihnen lebendig und sichtbar wird. Unsere Körper sind göttlich beseelte Membrane zu uns und zu den anderen. Wir tragen Gott in uns, das spüren wir nach innen und das leben wir als sichtbare, spürbare, berührbare Körpern nach Außen.
Wir, wir als Ganze, unsere Seele, unser Körper, werden dann zum Teil des Reich Gottes. So wie wir geschaffen sind, leben wir: von Gott schön gemacht, trotz und in Wunden und Dreck, in uns und für andere aus uns heraus. Unsere von Gott beseelten Körper werden dann ihm zur Ehre. Er hat sie wunderbar geschaffen und sie dienen ihm. Er selbst wird durch Seelen und Körper sichtbar und spürbar. Sie loben ihn. Unsere Körper erzählen in ihrer ganzen Haltung das von Gott in ihnen, wie ein kleines tanzendes Kind, dessen Körper in Gottes Lichtkegel die Augen geschlossen vollkommen selbstvergessen, sich ganz und gar findend von Gottes umfassender Liebe tausend und mehr Worte laut spricht. Amen.


Mittwoch, 4. Juli 2012

Etwas kleiner


Predigt am 5. Sontag nach Trinitatis

1. Mose 12, 1-4a
Und der HERR sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst bein Segen sein. 3 Ich will segnen, die dich segnen, und averfluchen, die dich verfluchen; und bin dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. 4 Da zog Abram aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.

Ein paar Schuhgrößen kleiner
Es sind große Schuhe, die Abram da trägt. Es sind große Fußstapfen, die er macht und die er hinterlässt. Zu groß. Der Text, das, was da berichtet wird und geschieht, ist wie ein paar Schuhgrößen zu groß.
Zu groß ist die Aufforderung Gottes an Abram: Er soll herausgehen nicht nur aus dem Vaterland, nicht nur weg von der Verwandtschaft, sondern sogar raus und weg aus dem eigenen Haus, aus der Heimat, aus dem Gewohnten, aus dem, was bisher war. Sehr groß ist auch das Versprechen Gottes: Gott verspricht Abraham nicht nur ihn in ein anderes, fremdes Land zu führen. Gott will ihn sogar zu einem großen Volk machen, er will ihm einen großen Namen machen. Gott will Abram nicht nur segnen und ihm zu Segen werden lassen für alle Geschlechter, an Abram sollen sich sogar Segen und Fluch Gottes entscheiden.
Sehr gehorsam Abram, sehr radikal seine Vertrauen, ungeheuerlich die Zusage Gottes. Das ist fast ein paar Schuhgrößen, ein paar Fußtapfen zu groß. Geht es vielleicht, geht es bitte ein bisschen kleiner? Etwas kleiner.

Ich zeig dir was
„Ich zeig dir was“, Gott spricht das. Gott sagt das zu mir. Ich meine es zumindest. Er spricht es unspektakulär. Oder zumindest höre ich es so. Fast nebenbei. In meinem Kopf, in meiner Seele, in mir wächst aber etwas, es wächst die kleine Sehnsucht nach diesem „Ich zeig dir was“.
Gott zeigt mir was. Vielleicht hinter vorgehaltener Hand oder halb verdeckt. Er zeigt mir etwas, was ich bis jetzt nicht sah, nicht hatte, nicht ahnte, nicht war. Etwas aber, was zu mir gehört, was mir fehlte, ohne dass ich es wusste, was größer ist als ich, aber nicht nur gefährlich, was mehr ist als ich, aber mich auch aufnehmend, erhebend, erfüllend. Etwas, das ist wie eine Bestimmung, ein Auftrag, eine Verheißung. Alles zu viel gesagt vielleicht. Aber eine kleine Vision ist dieses Etwas schon, was Gott mir zeigt. Es ist eine kleine Vision für mich, für den anderen Alltag, ein Stück Anderland, ein Stück Segen, Heilwerden, Glück.
„Ich zeig es dir“, Gott spricht leise, sanft, aber zu mir, unauffällig, aber seine Vision von mir setzt mich in Gang, erst ganz langsam, zögernd, innen drin, aber ich beginn, mich ein bisschen zu bewegen, aufzubrechen. Fast, nur fast wie Abram.

Ein bisschen bewegen
Sich ein bisschen raus und woanders hin bewegen, gehen. Das muss nicht viel sein. Raus aus dem Gewohnten. Das ist leicht gesagt, aber manchmal verdammt schwer getan. Das Gewohnte ist gewohnt, ist sicher, ist auch gut, hält einen, man klebt dran fest, manchmal fesselt es. Aber doch: Sich an einem kleinen Lebenspunkt davon wegbewegen, lösen, aufmachen, raus auf einen kleinen Weg machen, aufbrechen.
Das wäre wie sich selbst aufbrechen. Selbst an seinen winzigen, aber wichtigen Lebensporen offen sein oder werden, seine kleine Lebensöffnungen finden und sich verlassen. Das ist kein Auszug mit Sack und Pack, kein radikaler Wechsel von allem, was einem lieb und teuer ist. Es ist aber schon ein bisschen davon. Es ist schon so wie bei Abram, oder bei den Jüngern Jesu, als er sie rief. Menschen öffnen sich der großen Vision Gottes, die er sicher für uns hat, für unser Leben, so wie es ist und so wie es werden soll. Wir öffnen uns, kommen vielleicht raus aus unserem Schneckenhaus, lassen uns von der Vision Gottes wie ziehen, anziehen und machen uns los, los von alten Sachen, von unlösbaren Fragen, von dumpfen Vorbehalten, von vergangenen Schmerzen, von allzu Eingefahrenem, von ewigen Ängsten, von schalen Lebensträumen.
Wir machen uns los von einem Etwas, was davon abhält, Gott ein Schritt entgegenzugehen, auszuziehen Richtung gelobtes Land, Richtung „ich zeige es dir“. Fast wie bei Abram.

An mir liegt´s
Es liegt an mir. Ob ich mir das Etwas zeigen lasse, ob ich mich bewegen lasse und mich bewege. Von der Vision Gottes für mich. Von ihm. Es liegt auch an Gott. Ob er mich anspricht, ob er mir etwas zeigt, ob er mich hineinnimmt in seine Vision und auch im Kleinen losschickt.
Gott bewegt mich und ich lasse mich von Gott in Bewegung setzen und ich merke: Ihm liegt an mir. Aus mir wird etwas, etwas von dem, was Gott von mir will, was meine Bestimmung und Aufgabe ist von ihm aus. Das muss nicht so radikal, so alles umwälzend, so groß und wuchtig sein wie bei Abram. Es kann an einem Punkt in meinem Leben sein, in einem Bereich, mit einer Idee oder Tat, manchmal auch nur mit einem Wort. Aber dann spüre ich: Ich bin gerade ein Teil, ein Etwas seiner Vision, seiner Bewegung, seiner Liebe.
Und dann spüre ich an mir: Mensch, an dir liegt es. Es ist nicht so, dass sich jetzt alle guten und schlechten Geister an mir scheiden müssten. Es ist nicht so, dass sich Segen und Fluch Gottes, Weh und Ach, Hop oder Top gerade an mir entscheiden würden. Aber ich merke: Es liegt eben auch an mir, genau an mir, ob Gottes Vision sichtbar wird, ob sich etwas von Gott bewegt, ob Menschen bewegt werden von ihm, ob andere auch etwas von ihm zu sehen, gezeigt bekommen.
Ich spüre, wie Gott mir etwas zeigt, eine kleine Vision, wie aus mir an einem Punkt der wird, der ich sein soll, wie mich das rausbringt aus altem Trott, mich tiefer beseelt, ja mich auch im Dunkeln trägt. Es liegt dann an mir, das auch zu sein, zu zeigen, weiterzugeben, ein Stück von Gottes Vision, von seinem Segen, von seiner großen Liebe.

Hosentaschengröße
Unser Text ist klein. Es sind nur viereinhalb Verse. Es sind nicht einmal hundert Worte. Mancher Einkaufszettel ist länger. Aber seine Spuren, seine Fußstapfen, seine Bedeutung sind groß, erheblich, wichtig.
In meine hintere Hosentasche oder in meinen Geldbeutel, da stecke ich mir den kleinen Text hin, den kleinen wichtigen Text voller Visionen Gottes von mir, von Abram und von euch. Ich nehme ihn so mit. Ich nehme ihn mit ab jetzt für die ganze Zeit des Sommers, und lass ihn mit umziehen von Hosentasche zu Hosentasche, von Ort zu Ort sicher in meinem Geldbeutel. Überall ist der dabei, wohin ich auch gehe. Ich versuche mich an diesen Zettel, an seine Worte zu erinnern, an das Große, was darauf steht, was drin steckt, an das Große, was Gott auch mit mir vorhat. Amen.

Montag, 25. Juni 2012

Dorfbrunnen




Der Dorfbrunnen an der Carl-Kistner-Straße wird renoviert. In diesem Jahr wird er 120 Jahre alt. 1892 hat ihn die Stadt Freiburg zur Eingemeindung geschenkt. Mit der Eingemeindung wurde Haslach, das damals ca. 800 Bewohner hatte, an das Wasserleitungsnetz Freiburgs angeschlossen. Der Dorfbrunnen sollte dafür stehen.
Brunnen waren  schon immer Begegnungsorte und Orte, an denen neben Wasser Gespräche, Neuigkeiten und vor allem Dorftratsch geschöpft wurden. Brunnen waren im wahrsten Sinne des Wortes Lebensmittelpunkt.
Die Bevölkerung von Haslach stieg im 20. Jahrhundert rasant an. Haslach wurde zum größten Stadtteil Freiburgs. 1969 musste der Dorfbrunnen der Verbreiterung der Carl-Kistner-Straße weichen und wurde von der Mitte eher an den Rand gesetzt. Spätestens seit dem hatte Haslach keinen Dorfbrunnen als Lebensmittelpunkt mehr.
Wertvoll scheint der Dorfbrunnen manchen trotzdem zu sein; wertvoll genug, an ihn und seine Geschichte zu erinnern und ihn renovieren zu lassen. Er steht irgendwie für den Wandel unseres Stadtteils. So eingepackt und als Baustelle sichtbar, erinnert er jetzt an die vielen Baustellen in Haslach, nicht nur die wirklichen, sondern vor allem an die vielen Lebensbaustellen. Er erinnert daran, wie man in die Jahre kommt, wie der Lack abplatzt, wie man manchmal an den Rand gestellt wird und man unansehnlicher wird. Und im Grund erinnert er uns daran, dass wir eine Mitte im Stadtteil brauchen, einen Lebensmittelpunkt, nicht nur als Ort, sondern etwas, was uns als Gemeinschaft im Wandel der Zeiten zusammenhält. Und er erinnert uns als Brunnen ans Wasser als alltäglichstes Lebensmittel: Das, was wir brauchen, kommt von wo anders her. Für mich ist Gott der, an den ich denke, wenn ich durch den eingezäunten Dorfbrunnen an all dies erinnert werde.
Ich bin gespannt, wie der frisch renovierte Dorfbrunnen aussieht; vielleicht ist er schon fertig, wenn Sie diese Zeilen lesen, und das umseitige Bild gehört der Vergangenheit an. Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie im Sommer auch renoviert werden, vor allem innerlich, an der Seele, etwas neu, geglättet, von der Gnaden-Sonne beschienen, zurechtgemacht, repariert, schön und erfüllt. Gott möge Ihnen das schenken.

Donnerstag, 14. Juni 2012

Der Hüter des Feuers


Impuls zum „Nepal-Gottesdienst“ am 2. Sonntag nach Trinitatis 
(17. Juni 2012)


Die Macht gebändigt
Die Macht des Feurs haben wir schon längst gebändigt, in den Griff bekommen. Um uns zu wärmen, um unsere Essen zuzubereiten, um Helligkeit um uns zu schaffen, haben wir Schalter, Glühbirnen, Ceranfelder, Heizstrahler.
Feuerstürme irgendwo, Waldbrände im Fernsehen, die Sirene der Feuerwehr nachts, wenn sie aufheulen, erinnern uns daran, dass es nicht immer so war, dass es nicht immer so ist. Gott ist ein verzehrendes Feuer, so sagt es der Hebräerbrief wie eine kleine Zusammenfassung. Gott wie Feuer, sein Eifer, sein Grimm, sein heiliges Wort. Er lässt feurige Wagen und Rosse fahren. Er lässt Feuer vom Himmel regnen. Er ist bedrohlich, fressend, verzehrend wie das Feuer.
Mit dem Feuer haben wir vielleicht auch Gott, zumindest Gott im Kopf gezähmt. Wir haben die verzehrende, ungezügelte Macht des Feuers in den Griff bekommen und Nutzen es, haben Feuer in Elekritizität umgemünzt und beherrschen und gebrauchen es, um etwas gekocht, warm, hell zu bekommen.
Nicht schon immer ist da so. Nicht überall ist das so. Andere Zeiten, anderen Kulturen, andere Länder sind eine Erinnerung und eine Hinweis: Es gibt offenes Feuer, an deren Rand Menschen sitzen und das Feuer ist Macht: Kinder können hinein fallen und verbrennen, der Qualm kann Menschen ersticken.

Feuer hüten
Wir hüten das Feuer schon lange nicht mehr, höchstens die brennenden Kohlen auf dem Grill oder den Schwedenofen im Wohnzimmer. Doch das ist Luxus-Hüten. Elekrizität hütet man nicht, man kauft sie, man schaltet sie an oder aus, man spart oder verschwendet sie, am Ende wird sie bezahlt.
Das Feuer hüten ist etwas ganz usprüngliches, und überall, wo es nicht aus Luxus, sondern aus Notwendigkeit getan wird, ist es uns selbst Hinweis: Auf Feuer muss man aufpassen, dass es nicht ausgeht, dass es nicht ausbricht. Man muss es hüten, am Brennen halten. Man muss es hüten, immer wieder eingrenzen. Eine fast archaische Balance, die Aufmerksamkeit, Mut, Vorsicht und Resepkt erfordert. Feuer ist fast wie Liebe.
Ein Bild steht dahinter, ein Bild, das man angesicht der Menschen weder bagatallisieren noch romantisieren darf, ein fast verlorengegangenes Bild: Menschen sitzen am Feuer, ein Feuer, von dem sie leben, das sie hüten wie ihren Augapfel, ja ein Feuer, mit dem sie leben, leben müssen, leben dürfen und leben können müssen.

Das Feuer in mir
Das Feuer hüten. Das kann auch uns, uns selbst meinen. Feuer kann meinen, was in uns brennt, lodert, aufflackert. Unsere Leidenschaft, unser Brennen für etwas, für jemanden, unsere Energie, unsere innere Wärme, das, was uns brennend beseelt.
Dieses Feuer in uns hüten. Wie schwierig das ist erzählen die immer häufigeren Fälle, wenn Menschen ausbrennen, krank werden, weil das zu erlöschen droht, was in ihnen brennt. Um so dringlicher, lebensnotwendig ist es, das Feuer in uns zu hüten und auch auf das Feuer in den anderen aufzupassen. Dieses Feuer in uns zu wissen, zu spüren, es einzugrenzen, dass es uns selbst nicht vezehrt, dass es aber am Brennen bleibt. Eine ursprüngliche Aufgabe des Lebens. Und Glauben und Gott zu lieben, sich selbst und andere, hat viel mit diesem Feuer in uns zu tun.
Wir wissen doch: So sehr dieses Feuer in uns ist, so sehr wir es hüten, so wenig ist von uns. Die alte Kulturen, die fernen, noch sehr nah am Lebensgrund lebenden Menschen wissen es: Das Feuer ist gegeben, es ist unverfügbar, es ist gefährlich, eine Macht über uns, eine Macht, mit der wir uns arrangieren müssen.
Von alters her haben Christen Gott als soetwas wie das Urfeuer verstanden. Das ewige Licht, das Urwort Christus als Licht der Welt erzähen uns in Bildern davon. Gott ist es, der das Feuer in uns schenkt, gibt, am Brennen hält, uns das Hüten des Feuers in mir aufträgt. Darum müssen wir auf es aufpassen, weil es uns wertvoll gegeben ist. Deswegen müssen wir auf das Feuer der anderen mit aufpassen und wo nötig unser Feuer in uns an andere weitergeben, ihre ausgehende Flamme neu entfachen helfen.
Wir haben einen feurigen Gott. Ein verzehrendes Feuer. Gott brennt in sich. Er hat ein wahrlich ewig lebendiges Feuer in sich. Wärmend. Erhellend. Das Feuer seiner göttlichen Liebe, auch verzehrend, seine Liebe eifert um uns; sie überkommt ihn mit ungeheurer Kraft. Kräftig genug, das Feuer in mir und dir zu entzünden, zu unterstützen, zu bewahren. Seine Liebe passt auf. Gott hütet das Feuer der Liebe in sich. Er mag es eingrenzen, aber immer am Brenen halten. Amen.

Hinweis für weitere Informationen zum Projekt: www.ofenmacher.org

Freitag, 18. Mai 2012

Ein Herzstück


Predigt am Sonntag Exaudi (20.5.12)

Jeremia 31, 31-34
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Ein Bund mit sich
Menschen gehen Bündnisse ein. Manchmal wie Staaten. Bündnisse mit anderen Menschen, eine Wegstrecke zu zweit, zu dritt, zu mehreren. Viele Bundesschlüsse werden selten ausdrücklich ausgesprochen, meistens ergeben sie sich still und nach und nach und halten ihre Zeit. Manch ein Bund wird von Kinderhand mit Blut besiegelt, erwachsen mit großer Hoffnung feierlich geschlossen und dann mit Leid gefüllt. Menschen brechen Bündnisse, schweren Herzens, fahrlässig, die Zeit tut das ihre, mancher Bund verliert sich im Niemandsland und wir gehen von einem zum anderen. Manch Bund atmet die Ewigkeit.
Mit Fortuna und dem Teufel im Bunde, mit den normalen Bösewichten und höheren Mächten im Bunde. Und immer in all den Bündnissen unseres Lebens, den Lebens- und Bündnispartner, verdeckt, selten gestellt, in dunklen Stunden aufgebrochen, in bestimmten Momenten als tiefes Glück erfahren, die eine Lebensfrage: Sind wir mit uns selbst im Bunde, haben wir uns selbst als Bündnispartner, schließen wir mit uns den Bund, der Leben heißt und unser Glück sucht; und wie oft, wo und warum brechen wir mit uns selbst, mit dem uns eingeschrieben Plan vom Leben, den Bund und verlieren uns als Bündnispartner?

Noch näher
Noch näher, höre ich Gott sagen. Noch näher an den Menschen heranrücken. Es hat wohl nicht gereicht, den Menschen aus der Sklaverei in die Wüste und in die Freiheit zu führen, ihn nur an die Hand zu nehmen. Dem Menschen hat diese führende Hand nicht gereicht; er hat sie aus seiner Hand verloren, er ist einen anderen Weg gegangen, hat Gott nicht vertraut, ging auf innerliche Distanz zu ihm und Gott im Bund verloren.
Noch näher hin zum Menschen. Sagt Gott. All das, was im Bruch des Bündnisses kam, vergessen, vergeben, seine schmerzende, trennende Kraft nicht so lebendig, so nah sein lassen, sondern wie wegräumen, wie wegmachen, wirklich vergangen sein lassen, Sünde, Missetat, Abbruch. Nicht mehr daran denken. Im Kopf Gottes.
Noch näher, viel näher an den Menschen heranrücken, keine Distanz mehr da, mehr einbrechen lassen, die Hand zu geben, hat nicht gereicht; Gott rückt näher, viel näher heran. Wie weit auch der Mensch abrückt, Gott rückt näher. Einen neuen Bund, ein noch näherer, unvergleichlich nah, dicht. Spricht Gottes Herz, sein unbändiges Bundesherz, das näher rückt, näher schlägt.

Eingeschrieben
Ein Wunder für uns. Ein Wunder seiner Liebe. Gott will sich ganz geben in uns, in unser Leben, wirklich hineinbegeben, hineinlegen, hineinschreiben, in uns, in unseren Sinn, in unser Herz.
Mitten hinein in all das, was sonst hineingeschrieben ist in uns, hineingelegt worden ist durch Väter- und Mutterhände, - worte, durch das, was uns erzählt und eingebläut wurde, was uns still verheißen und versprochen wurde, was uns hart entrissen und liebevoll geschenkt wurde, eingeschrieben in uns, in unser Lebensherz, in sein Schlagen im Takt der Lebenszeit, mitten in unser eingeprägtes Leben, in die Spuren, gefurcht von der Erfahrungen mit uns selbst, mit anderen und mit den Mächten unseres Lebens, dorthin schreibt sich Gott ein, neu, immer neu, weil er all die anderen Schriftzüge wie überschreiben möchte, weil er unser Leben zart, behutsam, bestimmt umschreiben möchte, dass er sich drin liest.
Gott will uns nicht äußerlich bleiben, deswegen reicht die Hand nicht, sondern nur das Herz, innerlich will er uns werden, so nah wie irgend möglich. So innerlich, in unser Leben hineingeschrieben wird er des Menschen Gott sein und die Menschen seine Menschen, werden sie ihn erkennen, wie er sie erkennt, eine Erkenntnis, die dem Umarmen von sich Liebenden gleicht, ein Erkennen, das um den Herzschlag, um die Sehnsüchte, um die Angstgespenster, um den Sinn, um das Dunkle, um die Schuld, um das Geheimnis des anderen tief weiß. Ein Erkennen, was Leben meint, Atmen.

Bundesglück
Gottes Weg, sein Näher zu dir hin, ins Herz, sein Einschreiben mag auch ein Weg des Schmerzes sein, Bis ans Herz zu kommen, bis ins Herz zu kommen, meint auch: Durchzukommen, durchzustoßen bis an unseren eigenen Tiefengrund, an den Kern all unserer tragischen und glücklichen Lebensbündnisse; es ist vielleicht jener Schmerz, den Jesus am Kreuz durchlitt.
Am Herz angekommen, Gott ins Herz eingeschrieben, ist es die Antwort auf die Frage nach unserem Bund, nach unserem Bund mit uns selbst. Gott schreibt sein Gesetz, seine Lebensweisung, sein Weg zum Leben, zu unserem Leben in unser Herz ein. Gott schreibt jedem sein Weg zu seinem Leben in sein Herz, sein Plan vom Glück, seine Bestimmung. Gott schreibt Jesus, seinen Weg zu uns, sein Lebensplan für uns ins Herz, lebendig schreibt er ihn uns ein, geistvoll, gegenwärtig, unser Herz wie mit ganz eigenen seinem Lebensblut pulsierend.
So nah, so unglaublich liebevoll nah mit Gott im Herzen, mit seinem Lebensplan für sie, können Menschen sich gar sich selbst fern und fremd sein, kommen sie sich selbst nah, dem, wie sie leben können. So nah, so unglaublich liebevoll nah, mit Gott eingeschrieben, mit ihm den neuen Bund geschlossen schließen wir den Bund, sind Mensch mit sich selbst selig im Bunde. Amen.

Mittwoch, 2. Mai 2012

Der Himmel in euch


Predigt am Vorabend der Konfirmation 2012 (28.4.2012)

Auf den Füßen gelandet
„Glauben verleiht Flügel“. Jetzt ist es fast rum. Vor gut 8 Monaten habt ihr euch hier im Gottesdienst vorgestellt, mit Namen und eurer Schuhgröße, eure durchsichtigen Fußabdrücke haben kleine Flügel bekommen und hängen seitdem der Größe nach sortiert hier am Kirchenfenster und tanzen im Licht und spiegeln sich im Chorraum wider.
Nach dem Fliegen landet man. Die Konfirmandenzeit ist vorbei. Ihr habt gelernt, im Glauben zu fliegen. Eure Flugzeit ist vorbei. Jetzt landet ihr. Ihr landet nach dem Himmelsflug mit euren beiden Füßen auf der Erde. So wie die sechs Füße der drei jugendlichen Beine auf dem Bild eures Liedblattes. Diese sechs Füße und Beine stehen für euch. Man könnte das Bild auch andersherum halten. Ich habe es fixiert. Eine Blickrichtung vorgegeben. Die drei Jugendlichen spiegeln sich. Man sieht ihren Kopf und ihren Oberkörper im Wasser gespiegelt. Zum Oberkörper passen die Beine. Obwohl etwas fehlt, wissen wir die drei spiegeln sich selbst.


Sich spiegeln
Spiegel sind Alltag. Man schaut rein, mal gern, mal ungern. Morgens beim Zähneputzen, abends mit müden Augen, zum Rasieren, zum Abschminken, zum Haare kämen, zum Zurechtrücken. Durch den Spiegel kennen wir uns, sehen wir unser Aussehen, gefallen uns oder auch nicht. Wenn es keinen Spiegel gäbe, dann wüssten wir nicht genau, wie wir aussehen, wären wir darauf angewiesen, dass andere uns beschreiben, ein Bild von uns malen. Die Welt ist aber voller Spiegel, voller Spiegelflächen. Und es gibt Fotos, die man von sich macht, digital, tausende, in allen Posen und zu jeder Gelegenheit. Sie sind wie kleine Spiegel, in ihnen werden wir festgehalten, und eure Eltern sammeln sie, seit ihr geboren wurdet. Und es gibt Filme, die bewegten Bilder, dank Super 8 heutzutage jedem möglich. Wir können uns selbst rennen, sitzen, leben sehen. Und über Blogs und Youtube spiegeln wir uns ins weite Netz und schauen einander beim leben zu.
In der Pubertät werden die Spiegel wichtiger, langsam, auch wegen der Pickel. Der Hormonspiegel steigt. Ihr sucht euch selbst, wer ihr seid, und alle suchen notgedrungen mit. Und nach und nach entdeckt ihr, was wir Erwachsene auch entdeckt haben: Um sich selbst zu finden, braucht man andere, braucht man weniger Spiegel, als die Gesichter der anderen, in denen spiegelt sich wider, wer man selbst ist. Indem man angeschaut wird, wird man, im Blick des anderen, in dessen Augenblick. Auf dem Weg zur Liebe.

Im Spiegel Gottes
Man soll sich kein Bild machen. Gott ist besorgt. Um Menschen. Um Euch. Man soll keinen Menschen festlegen auf ein bestimmtes „So bist du“, nicht einengen, nicht beschränken. Auch man sich selbst nicht, sich nicht festlegen auf ein bestimmtes eigenes Spiegelbild: So bin ich. So soll ich sein. Wir sind mehr, als wir sehen. Vielmehr. Gott weiß darum. Er sieht mehr in uns. Kein Zerrbild von uns kann verhindern, dass er in uns sein geliebtes Geschöpf sieht. Er achtet unsere Freiheit. Er schützt sie. Er weiß, wer Ihr im Kern seid und dass sich das nie abbilden lässt. Er sieht eure Seele. Er weiß, dass Ihr Unikate seid und er bewahrt euch eure Eigenart.
Ja, er selbst spiegelt sich in euch. So wenig wir wissen, wie Gott aussieht, so sehr mag er sich in uns spiegeln, mag er in uns erkennbar werden, nie vollständig, aber immer als jemand, der uns im Voraus liebt, der uns einen Sinn schenkt, der uns Ursprung und Ziel ist, der uns als seine Ebenbilder sieht, Seelenmenschen, die dazu bestimmt sind, in Gemeinschaft mit ihm zu leben. Das ist so etwas wie unser gemeinsamer alltäglicher Weg von der Erde zum Himmel.
Euer Konfirmandenunterricht ist ein Stück dieses Weges. Von der Erde zum Himmel. Wie im Rückspiegel blickt ihr zurück: Was war da an den Samstagen und Mittwochen? Wir sehen immer uns: Ihr euch, die Eltern sich, ich mich, wir uns zusammen. Wer waren wir? Hat sich Gott in alldem widergespiegelt? Letztlich ging und geht es um eure Seele, sie zu entdecken, sie zu bewahren, sie zu beschützen, sie zu pflegen und ihr Flügel zu verleihen.
Bevor sich das ganze erfüllt, und wir uns ganz selbst sehen, uns und Gott, ist zu leben, im Hier und Jetzt, auf der Erde, mit sich, mit den anderen, mit Gott. Dafür bleiben uns Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei. Sie sind wie innere Spiegel, durch die Gott in uns hineinfällt, wir uns selbst und andere als die sehen können, die sie sein sollen: vertrauenswürde Menschen. Menschen mit Hoffnung und geliebte Menschen. Das ist das wichtigste für unseren alltäglichen Weg von Erde zum Himmel: geliebte Menschen zu sein und vor jedem Spiegelblick steht fest für euch: Gott liebt euch.

Den Himmel widerspiegeln
Das Bild auf dem Liedblatt hat etwas Zufälliges, etwas Spielerisches, ja etwas Leichtes. Warum sind die drei da gelandet mit ihren Füßen? Was machen die da? Wir können sie nicht ganz sehen, wir setzen sie im Kopf zusammen zu ganzen Menschen, Unterkörper und Oberkörper und ein Stück fehlt immer noch. So ist es bei allem. Wir sehen nie das Ganze, wir setzen unsere Bilder zusammen und ergänzen uns. Gott mag euch immer ergänzen, wenn ihr euch unvollständig seht oder fühlt, mit Lücken oder Fehlern oder Selbstzweifeln. Er mag euch dann zu ganzen Menschen machen, nicht perfekte, aber zu solchen, die sich geborgen, getragen, geschätzt fühlen. Er mag euch dann mit seinem Blick ganz machen, mit seinem Blick der Liebe.
Die drei Jugendlichen spiegeln sich. Das Wasser ist zufälliger Ersatzspiegel. Wir wissen nicht, ob sie selbst sich im Spiegel des Wassers ansehen. Sie spiegeln sich aber und sie sehen sich im Wasser. Sie sehen auf den Grund, in die kleine Tiefe ihrer selbst. Sie sehen ein bisschen Schlamm, Lebensschlamm. Wie bei jedem. Sie sehen kleine Steine, Lebenssteine, zwischen Diamant und Stolperstein. Wie bei uns. Sie sehen ein Blatt auf der Oberfläche herbeischwimmen Hoffnung gilt Menschen. Sie sehen den Erdboden. Von dort sind sie genommen. Aus Erde. Dort stehen und leben wir. Und sie sehen die Wolken, sanftes Blau und den Himmel, im Wasser, im Spiegel, in sich. Der Himmel spiegelt sich in ihnen wider. So wie bei euch. Ihr seid gelandet, mit beiden Füße auf der Erden und den göttlichen Himmel in euch. Amen.