Mittwoch, 30. Mai 2012

Die weiße Farbe des Segens


Predigt an Trinitatis (3. Juni 2012)

„Franz Sattler: „Yellow-Magenta-Cyan“ (2011)

Gerahmte Farbenwelt
Eine Welt ohne Farben kann man sich nicht vorstellen. Sie wäre einfarbig, eintönig, grau, trist, lieblos. Unsere ganze Welt ist voller Farben, tausenden Farben, in ganz verschiedenen Nuancen, Schattierungen, Ausprägungen. Natürliche Farben, blutrot, sonnengelb, himmelblau, am schönsten, wenn sich der Blätterwald im Herbst in seinen Grüntönen zeigt. Künstliche Farben, mit denen man Autos, Gegenstände, Spielsachen bunt anmalt. Unsere eigenen Farben, die Farbe unserer Haare, wandelbar, die Farbe unserer Augen, die Farbe, mit denen wir unser Glück ausmalen.
Farben entstehen im Sehen, im Wahrnehmen, durch Brechung des Lichts; Farben kann man riechen: Wer hat nicht schon das regennaße Erdbraun des Bodens gerochen. Farben gibt es irgendwie wirklich: Woher sonst die Freude der Kinder am Malkasten, die Wunderwelten mancher Künstler, unsere Sehnsucht nach der Tristessse des Winters nach der neuen Farbwerdung unserer Naturwelt. Farben sind Symbole und unsere Kultur hat ihnen Bedeutungen beigelegt: Die Kälte des Blaus, das Grün als Hoffnung, die Wärme des Rots, schwarz für Trauer, weiß für Unschuld.
Die Farbigkeit Gottes hätte man sich ganz anders vorstellen können. Viel ungezügelter, lebendiger, mächtiger. Die drei Farben unseres Bildes sind akurat, eingerahmt, geordnet: Drei gleiche, rechteckige Flächen, ordenlich nebeneinander gemalt, von links: Yellow, Magenta und Cyan. Das sind drei Idealfarben. Es sind die Grundfarben, aus denen alle anderen Farben sich mischen lassen. Es sind die drei Farben unserer grundlegenden Drucktechnik. In jedem Farbdrucker daheim zu sehen. Aus ihnen wird alles farbig gedruckt, was wir als bunte Welt anschauen und lesen. Zu ihnen tritt beim Vierfarbendruck normalerweise noch das Schwarz. Schwarz ist keine eigene Farbe, wir nehmen schwarz nur als Fehlen eines Farbeindrucks. Beim Vierfabendruck dient Schwarz der Tiefe des Farbdrucks. In unserem Bild tritt zu den drei Grudnfarben stattdessen das Weiß dazu: Ein weißer Schriftzug. Soll es statt Tiefe Höhe bedeuten? Der weiße Schriftzug ist gleichmäßig verteilt auf die drei Grundfarben: Von Yellow über Magenta zu Cyan ist zu lesen: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

In Namen hervorgehoben
Mit diesen Wort, mit diesem weißen Schriftzug beginnt jeder Gottesdienst. Bei jeder Taufe wird der Täufling unter diesen Worten getauft und ein jeder kann es mit Luther daheim beim Aufstehen und beim Zubettgehen zu sich selbst sagen, wenn er sich bekreuzigt: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Diese Worte, gesprochen zu allen, zum anderen, zu mir, sind fast beschwörend, sind anrufend, sind Bitte, Wunsch, Gelübde, etwas, in das wir alle dann immer wieder einstimmen, einstimmen mit Amen, Amen, ja, so sei es. Diese Wort, dieser weiße Schriftzug sind die würdevolle, hoffnungsvolle Provokation von Gottes Wirklichkeit inmitten unserer Welt: Diese Stunde des Gottesdienst ist seine Stunde mit uns, dieses Kind ist nun Gottes Kind, ich, ich bin sein. In seinem Namen geschieht dies alles, mit und in seiner Wrklichkeit, durch seine Präsenz. Diese Worte, dieser weiße Schriftzug, dieses uralte Votum heißt: Dein Reich komme! Jetzt. Es sei da. Es ist da.
Es ist das Reich, die Gegenwart, die Wirklichkeit des dreienigen Gottes: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Es ist die Wirklichkeit eines Gottes, der in sich selbst voller Leben und voller Liebe ist. Die Dreifaltigket Gottes versichert uns: Gott ist in sich Liebe. Er hat einen Herzschlag, einen Herzschlag im Takt, im Rhythmus der Liebe. Er ist in sich, er ist schon immer und er ist in alle Ewigkeit Liebender, Geliebter und die Liebe, die beide miteiannder verbindet. Das ist der Dreitakt seiner lebendigen, reichen Liebe. In diese Liebe, die vor allem und für alle ist, wird die Welt, werden wir einbezogen, hineingenommen, hineingeliebt. Gott zeigt sich an uns als Liebender, als Geliebter, als Band der Liebe, das ihn mit uns verbindet.

Die Farbkraft der Liebe
Wie diese drei Grundfarben, aus der alle Farbe der Welt heraus machbar und wirklich ist, ist der dreieinige Gott, Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist, ein, der dreifarbiger Grundton der Welt, einer Welt, die er mit seiner Liebe durchzieht, einfärbt. Es braucht alle drei Grundfarben, um die Welt bunt zu machen; es braucht alle drei Personen der Dreifaltigkeit, um die Welt grundlegend zu lieben. Nur in ihrem Zusammenwirken, Zusammenlieben lieben sie die Welt, so wie die drei Grundfarben nur zusammen, nur in einer Einheit die Welt aus ihrem Grau, aus ihrer Tristesse herausholen und farbig machen.
Die Grundbewegung dieser Liebe Gottes ist Jesus Christus. An ihm, in ihm und durch ihn ist die Liebe Gottes ablesbar, spürbar. Seine Grundgeste ist die, von der wir bei der Taufe immer wieder hören: Er segnete die Kinder. Im Segen wird die Liebe Gottes gegenwärtig. Der Segen ist die Grundgeste der Liebe Gottes. Im Segen geschieht jenes, was wir mit Worten, mit weißen Schriftzug hervorrufen: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.“ Im Segen wird Gottes dreienige Liebe gegenwärtig, malen sozusagen seine Grundfarben meine Lebenswelt mit seiner Liebe bunt.
In unserem Bild sind die Grundfarben im Rahmen gehalten, sie erzählen von der Lebendigkeit, vom Leben, von diesem einen dreifarbigen Grundton Gottes in dieser Welt; aber sie sind es nicht selbst. Sie werden es durch den weißen Schriftzug, dadurch, dass wir ihn sagen, sprechen, in jedem Gottesdienst, bei jeder Taufe, zuhause, wenn wir aufstehen, wenn wir zu Bett gehen, wenn wir segnen und uns mit diesen Worten segnen lassen, wenn wir alles Vertrauen darauf setzen: Das, was da über mich, für mich gesagt wird, wird auch lebendig, Gott ist lebendig in meinem Leben, im meinem persönlichen, in dem der Gemeinde, er ist wie die drei Grundfarben, mit denen er mein Leben gegen alles Grau, Eintönige, Triste und Lieblose bunt liebt. Ich bin Teil seines ewigen Herzschlages, Teil der Liebe, die gibt, empfängt und beides verbindet. Amen.


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