Freitag, 15. Februar 2019

Pass, bitte, gut auf dich auf


Predigt an Septuagesimae (17. Februar 2019)



Prediger 7, 15-18

15 Dies alles hab ich gesehen in den Tagen meines eitlen Lebens: Da ist ein Gerechter, der geht zugrunde in seiner Gerechtigkeit, und da ist ein Gottloser, der lebt lange in seiner Bosheit. 16 Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest. 17 Sei nicht allzu gottlos und sei kein Tor, damit du nicht stirbst vor deiner Zeit. 18 Es ist gut, wenn du dich an das eine hältst und auch jenes nicht aus der Hand lässt; denn wer Gott fürchtet, der entgeht dem allen.



Pass bitte auf

Pass auf dich auf. Das sagen Liebende zu einander. Wenn der eine aus der Tür geht, der andere bleibt. Pass auf dich auf. Das sagen Menschen und denken sie. Sie wissen, dass immer etwas passieren kann, nicht immer, aber sie haben erfahren, es kann etwas passieren. Sie wissen: Menschen sind gefährdet, ihnen kann etwas passieren, sie können sich verletzten, zu Schaden kommen, nicht mehr heim kommen. Pass auf dich auf, ist eine Bitte, ein Wunsch, mit Worten gesagt, mit Gesten, in der Stille der Räume, im Blick aus dem Fenster. Vermischt, manchmal bestimmt von Sorgen, von Angst, von schlimmen Erfahrungen, eigenen, gehörten, anwesenden.

Wie kann ich das tun, auf mich aufpassen? Auf andere aufpassen, das kann ich, kann ich vielleicht. Sie an die Hand nehmen, wirklich und in Gedanken, für sie beten, ihnen sagen, worauf sie aufpassen müssen, sie von was abhalten, vor etwas bewahren, sie mit Kräften und Umsicht schützen. Dass ja nichts passiert. Aber wie kann ich auf mich selbst aufpassen, dass mir nichts passiert, dass ich auch der mir gemeinten Bitte, pass auf dich auf, folge? Ich kann versuchen, Gefahren zu kennen, einzuschätzen und zu vermeiden, ich kann hinschauen, mich hüten, aufmerksam, bewusst, nie Kopflos sein, selber darum bitten und beten.



Sich Fernhalten

Pass auf dein Leben auf. So als ganzes. Insgesamt. Im Leben auf sein Leben aufpassen. Das versucht unser Bibeltext. Auf seine Weise. Der Prediger schaut in Distanz, mit Abstand auf sein Leben, vielleicht ist das der erste Versuch, sich selbst zu schützen. Sich nicht so reinziehen zu lassen, mit nehmen zu lassen, versuchen sich etwas fernzuhalten, auf Distanz. Der Prediger sieht und hat erfahren: Das Leben ist vergeblich, vergänglich, eitel, brüchig, ein Windhauch. Er hat gesehen und erfahren: Es gibt keine Sinn-Logik des Lebens, die Gerechten gehen zugrunde, die Gottlosen leben gut. Der Prediger denkt sich: Man weiß nie, sieht Willkür, fragt sich, wie er dann auf sein Leben aufpassen soll, aufpassen kann.

Er denkt sich: Suche den Mittelweg, sei nicht „allzu“, nicht allzu das eine oder das andere, so erwischt es dich vielleicht nicht. Oder sei beides, sowohl als auch, dann bleibst du vielleicht auch verschont. Er denkt sich, wenn ich die Extreme vermeide, wenn ich von allem ein bisschen bin, wenn ich nicht allzu das eine oder das andere bin, sondern wenn ich mich maßvoll, kontrolliert, irgendwie dazwischen bewege, lebe, in jener Distanz zum Leben mich ihm irgendwie fernhalte, dann kann ich auf mich aufpassen, dann kann ich mich vor dem Windhauch, der Vergänglichkeit, vor der Willkür des Augenblickes einigermaßen schützen.



Auf Gott achten

Und unser Bibeltext, unser Prediger sagt uns: Passt auf Gott auf. Um auf dich und dein Leben aufzupassen. Sei gottesfürchtig. Auf Gott aufpassen. Wie können wir das? Wir können es nicht. Dürfen es nicht. Und wir können es doch. Wir sollen es. Wir können aufpassen, an ihn zu denken, mit ihm zu rechnen. Wir können aufpassen, dass er uns nicht verschwindet im Leben, dass wir gottnah sind und bleiben. Wir können darauf achten, dass wir am Morgen Gott im Sinn haben, am Abend zu ihm beten, dass unser Tag von ihm gefüllt sein will. Wir können ihn einbeziehen, uns versuchen rückzukoppeln an ihn, daran, dass wir getauft sind, von ihm gesucht und gewollt werden, wir können uns an ihn erinnern, erinnern lassen, wir können Gottesorte aufsuchen, Verheißungspunkte. Wir können eine innere Haltung einnehmen, die Gott Respekt zollt, Abstand wahrt, ihm das Seine reserviert, und uns Gehorsam abzwingen, wir können zu ihm hochschauen, das ihm Wohlgefällige suchen, Demut zeigen, ihn lieben, gottesfürchtig sein, auf ihn aufpassen.

Und in all dem spüren, hoffen, beten: Gott passt auf uns auf. Ein kleiner Schritt weiter gehen als der Prediger, eine Erfahrung entscheidend mehr: Gott passt auf uns auf. Das Leben ist nicht eitel, nicht Windhauch, nicht nur vergänglich und vergeblich, ohne innere Sinnlogik. Das alles auch und manchmal erdrückend und erschreckend. Das Leben ist aber auch anders und Gott ist auch anders: Er ist nahe, leidenschaftlich, leidet mit; er führt, begleitet, ringt, liebt. Er passt auf uns auf. Mit dem Prediger vielleicht auch jenes Allzu meiden, aufpassen, nicht extrem leben, eher in der Mitte, ja manchmal auch bescheiden mittelmäßig. Aber auch aufpassen, auf sich, auf Gott und auf die anderen, auch nahe sein, sich dort hin bewegen, wo die Extreme sind, wo es weh tut, wo es nicht bequem ist, wo Menschen allzu sehr, allzu notwendig für das Leben anderer Menschen eintreten müssen, wo die Ehrfurcht vorm göttlichen Leben in allen zum Einsatz dafür wird, wo alle aufeinander aufpassen.



Nicht zugrundegehen

Und all das, damit nichts passiert, auch wenn wir wissen, erfahren, erleiden, dass immer etwas passiert. Aber eben nicht aufgeben. Nicht daran verzweifeln. Gott vertrauen, dass er auf uns aufpasst und wir in Gottesfurcht aufeinander. Damit das nicht passiert, was der Prediger befürchtet: dass Menschen zugrundegehen, in Bosheit anderen zuleid leben, dass sie sterben vor ihrer Zeit, dass die Verbindung zwischen unserem gemeinsamen Leben wie abreißt. Dem allen entgehen, im Leben verschont bleiben, auf das Leben, sich und Gott aufpassen. Darum bitten: Gott, pass gut auf uns. Amen.

Freitag, 18. Januar 2019

Ganz dein eigen leben


Predigt am 2. Sonntag nach Epiphanias (20.1.2019)



Römer 12, 9-16

9 Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an. 10 Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. 11 Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn. 12 Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. 13 Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft. 14 Segnet, die euch verfolgen; segnet, und verflucht sie nicht. 15 Freut euch mit den Fröhlichen, weint mit den Weinenden. 16 Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch zu den niedrigen. Haltet euch nicht selbst für klug.



Kyrie

Seit dem neuen Jahr singen wir hier ein neues Kyrie: Wir haben es das erstemal gehört, dann geübt, uns eingesungen, machen es mehr und mehr zu unserem. Aber es soll und will uns von uns wegnehmen, uns zu Gottes eigen machen, zu Menschen, die sich selbst abgeben, Last und Eigensinn, und ganz von Gott her leben, ganz seine Menschen sind. Zumindest für das eine Kyrie, für den Gottesdienst, für Momente. Menschen vielleicht, wie sie sich Paulus vorstellt, wie Paulus uns Menschen vor Augen malt in dem Text, den wir gerade gehört haben. Unser neues Kyrie haben wir davor gesungen:



Nimm alles von mir, was mich fernhält von dir.

Es beginnt mit der Bitte: „Nimm alles von mir, was mich fernhält von dir.“ Wegbekommen, losbekommen, los haben, befreit werden von allem, was uns von Gott trennt, fernhält, was sich in die wunderbare, heilsame Beziehung zu Gott, zu uns selbst, zu anderen trennend, zerstörerisch hineinlegt, hineinschmuggelt, wie ein schleichendes Gift.

Falsche Liebe, böse Gedanken, Hochmut, Selbstsucht, Trägheit des Herzens, so nennt das Paulus. Alles Umstände, Taten, Kopfdinge, die Menschen davon abhalten, in Beziehung zu sein, zu Gott, zu anderen, zu Gott. Dinge, Gedanken, Taten, die einen selber täuschen, die einem irr gehen lassen, die einem vor allem bei sich halten, auf sich schauen lassen, die einen diese wunderbare schwere schöne Aufgabe, beim Anderen sein zu können, nicht machen lassen, die auf dem halben Weg uns stehen lassen, die im Herzen das Überhand sein lassen, was Hass statt Liebe gebiert, Distanz statt Nähe, Vorbehalte statt Zugehen.

Viele solche Dinge gibt es. Paulus weiß noch mehr davon: von Ungeduld, von Zwietracht, von Missachtung, von Herrsein, von Ablehnung, von Flüchtigkeit. Wir wissen von anderen, von ähnlichen, von unseren. Deswegen brauchen wir unser Kyrie, brauchen seine Bitte: Nimm das von uns, Gott, stell du Nähe her, zu dir.



Gib alles mir, was mich hinführt zu dir.

An die erste Bitte schließt sich so in unserem neuen Kyrie von Taize eine zweite Bitte an: „Gib alles mir, was mich hinführt zu dir.“ Das Wegnehmen soll Platz machen für ein Neues. Dem Fernhalten soll ein Hinführen folgen. Ein Hinführen, weil Menschen wohl es nicht selbst schaffen, ein Hinführen, weil Gott es machen soll, es macht, weil er es uns schenkt, gibt, wir darum bitten und er es uns erfüllt. Durch jedes Kyrie werden wir eigentlich erhoben, durch jedes Kyrie werden wir kyrieförmiger, werden wir christusförmiger, werden wir zu solchen, wie Paulus sie sich vorstellt, werden wir zu Menschen, die Gott wohlgefällig sind, immer auch mitten im Leid und Dunkeln, in Trübsal und innerer Verfolgung, angefochten durch uns selbst, aber eben auch und mehr in Gottes Hinführen und Gabe, in sein Begleiten und unser Bitten gegeben.

Gib mir alles, mach mich zu deinem Mensch. Für Paulus ist das ein Mensch, der Gott dient, der von ihm in einem gleichsam vorgegebenen und heilsamen Rahmen hineingestellt ist, ausgerichtet auf Gutes, untergeordnet dem Sinn des Lebens, ihn zu finden, anhängig der Liebe, von der man leben kann. Ein Mensch, der mit sich selbst ins Reine kommt, geduldig ist, einen bescheidenen Frohsinn hat, der bei sich bleiben kann, treu Gottes und seinem Ruf, unverzagt, lebendig, bleibend entflammt und brennend von Gottes Liebe, einer, der so sein darf, wie Gott es ihm schenken will. Ein Mensch, der von Gott gehalten wagt, sich selbst etwas zu verlassen und der die Tränen der anderen als seine entdeckt, die Freude der anderen als seine lebt, der von der allen gemeinsamen Würde überzeugt ist, der um seine Grenzen weiß und um die die dort leben müssen, der kein Problem damit hat, sich etwas kleiner zu machen, damit er die erreicht, die ganz klein sind, der mit Leidenschaft das Leben sucht und dabei andere gewinnt, der im Leben vom Segen Gottes lebt und andere durch sein Dasein segnet. Ein Mensch, der sich immer wieder ins Kyrie hinein sich betet.



Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.

„Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.“ Das dauert vielleicht ein Menschenleben, bis das passiert. Und es passiert bei jedem Kyrie. Es passiert, wenn Paulus darüber nachdenkt und uns vom neuen Menschen schreibt. Sich selbst genommen werden, ist Zumutung. An uns halten wir so fest, müssen wir wohl auch. Sich selbst genommen werden, kann aber auch unglaublich befreien. Dann, wenn der, der mich nimmt, mein Gott ist und ich dort sein eigen bin und ganz zu mir komme. Das ist die große Verheißung: Ganz zu Gott kommen und ganz zu mir kommen, ist das Gleiche. Als der leben, der ich bin, als der ich gemeint und geschaffen bin, als der, der ich sein soll und sein darf. Am zu lesenden, zu hörenden, zu sehenden Bilde Jesu entlang.

Ein Mensch ganz in Beziehung, zu sich, zu Gott, zu anderen, ein gnädiges, geschenktes Dasein, ein Dasein, das das ein darf, das sich Gott gefallen lässt, das bittet und kyrieförmig ist, bei sich, bei anderen, bei Gott. Die heutigen Worte von Paulus hören sich an wie ein nicht enden zu wollender, nicht zu leistender Katalog von Anweisungen, ein Katalog, der überfordert, der in kurzen knappen Sätzen insgesamt einundzwanzig Anforderungen an mich und uns formuliert, wie ich sein soll. Der Text ist aber ein Kyrie, eine Bitte, so zu werden, so gemacht zu werden, so sein zu dürfen. Wie ein Lebenskleid, das man übergeworfen bekommt, damit Mensch in ihm lebt. Unser Kyrie ist ein Lied, ein Dunkelheit aufnehmendes Lob, ein Gedicht, das im Singen, im Hören, im Bitten uns verwandelt und zu solchen macht, von denen Paulus spricht, von denen wir singen und von denen Gott träumt. Amen.

Donnerstag, 10. Januar 2019

Leerstelle Frieden


„Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15)



Jährliches Suchen

Im neuen Jahr werden Menschen wieder suchen und finden, Dingen und Vorhaben nachjagen, manches bekommen und manches verfehlen. Menschen werden suchen, mit dem Herzen suchen, mit den Augen Ausschau halten, mit ihrem Leben Sehnsucht haben. Sie werden finden und verlieren, sie werden finden, was sie erwartet haben und auch was sie eigentlich nicht gesucht haben, sie werden verlieren Entbehrliches, Beiläufiges und Wertvolles. Und Menschen werden auch im noch neuen Jahr gemeinsam auf dem Weg sein, sie werden eine Suchgemeinschaft sein und auch eine Findegemeinschaft, zusammen und jeder für sich.

In dieses jährliche Suchen und Finden klingt die Jahreslosung mit hinein, will sie. Sie hat am Ende ein Ausrufezeichen. Als sei sie mehr als nur eine Option, als sei sie eine Aufforderung, ein Wunsch, eine nachdrückliche Bitte: In allem Suchen und Finden, mach auch dies: Suche Frieden und jage ihm nach.



Leerstelle

Was man sucht, hat man nicht, zumindest nicht so, wie man es gerne hätte. Man sucht, was man verloren hat, was man vermisst, was man braucht, was gefunden werden muss oder soll. Frieden soll man suchen, weil er vielleicht verloren ist, oder: weil er an vielen Stellen droht, verloren zu gehen, weil man ihn nicht hat, nicht auffindet, weil man ihn vermisst, weil man Sehnsucht nach ihm hat, weil man ohne ihn eine Leerstellespürt. Menschen müssen den Frieden suchen, vielleicht weil er klein ist und unscheinbar und etwas, was eben nicht auf der Hand liegt und was nicht einfach da ist, sondern was man suchen muss, etwas, was man beharrlich, vorsichtig, nachfragend, schauend suchen muss, etwas, nach dem man im Leben, in eigenem, im gemeinsamen, im gesellschaftlichen jeden Lebens-Stein umdrehen muss und schauen muss, ob Frieden nicht dort sei.

Der Friede ist so klitzeklein wie ein Hirsekorn, hat mal die Theologin Dorothee Sölle geschrieben. Deswegen muss man ihn suchen.



Lebensnotwendig

Und man soll ihm nachjagen. Vielleicht weil Menschen in ihrer Lebenssuche auch immer im Kampf stehen, im Wettbewerb, sogar im Krieg, und deswegen jagen leider zur menschlichen Existenz gehört. Aber dem Frieden nachjagen meint eigentlich das Gegenteil und viel mehr. Frieden meint: Etwas anderes werden zu lassen als Jagen, als Kampf und als Krieg.

Nachjagen erinnert daran, dass früher die Jäger - und auch die Sammlerinnen – sich auf die Jagd gemacht haben, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, ohne Jagd wären sie verhungert. So war Nachjagen lebensnotwendig und so ist dem Frieden nachjagen auch lebensnotwendig, weil Frieden lebensnotwendig ist. Und dem Frieden nachjagen bedeutet auch den Friede aufsuchen, ja fast auflauern, ihm über die Steppen des Lebens nachzugehen, beharrlich, zielstrebig, mit langem Atem und ihn dann für sich bekommen.

Und hier bricht das Bild; denn der Frieden, dem man nachjagt, wird dann, wenn man ihn hat, nicht erlegt oder getötet, sondern er wird verwirklicht, soll Leben und lebendig werden. Menschen sollen von Frieden leben, dem sie nachgejagt sind.



Dynamik

In der Jahreslosung steht nicht: Suche den Frieden, sondern suche Frieden. Allgemein ohne bestimmten Artikel. Frieden. Frieden suchen und ihm nachjagen, ist ein allgemeiner Auftrag und der Frieden wird dann bestimmt, ein bestimmter Frieden in dem bestimmten, je eigenem Leben von Menschen, zwischen Menschen, im Leben von Gemeinschaften und Gesellschaften. Frieden ist kein Zustand, sondern eine Dynamik, eine Lebensdynamik. Eine Lebensdynamik, in der Menschen liebevoll mit Fehlern umgehen, versöhnlich mit Schuld, rücksichtsvoll mit eigenen Bedürfnissen, aufmerksam für den anderen und ehrfurchtsvoll mit dem allen gemeinsam Geschenktem.

Wer dieser Dynamik vertraut, auf sie setzt, beim anderen sucht, bei dem wird Frieden und es ist Arbeit dieser Dynamik im Leben Raum zu lassen, es ist ein mühsames Suchen und fleissiges Jagen.



Gottes Frieden

Die Jahreslosung hat eine für mich wunderbare Voraussetzung, unser Suchen und Jagen hat eine gedankliche und reale Voraussetzung, ohne die die Jahreslosung, ohne die unser Suche und Nachjagen keinen Sinn machen würde. Diese Voraussetzung ist: Es gibt Frieden. Er ist da. Es gibt ihn. Deswegen kann, darf und muss man ihn suchen. Weil es ihn gibt, kann er gesucht werden, lässt er sich finden, kann ihm nachgejagt werden, ist er das Lebensnotwendige, ja ist er Leben. Für Christen entspricht dies dem allen Frieden vorgängigen Frieden Gottes. Gott hat Frieden mit seinem Menschen geschlossen, Gottes Frieden ist da, deswegen können wir ihn suchen und finden, ihm nachjagen und ihn leben. Wir bekommen ihn im Segen zu gesprochen, er wird in der Begegnung unter seinem Wort unter uns aufgespannt, er ist die große Verheißung des Lebens, er ist die Dynamik des Heiligen Geistes. Er ist da. Gott hat ihn für uns am Kreuz mit sich und seinen Menschen errungen und in Christus für alle für immer gefunden. Amen.

Mein Fest seiner Erscheinung


Predigt am Sonntag Epiphanias (6.1.19)



Erscheinen

Alles hat seine Konturen, seine Formen, seine Tönung, seine Art. Dinge, Menschen, Räume. Vieles zieht an uns vorüber, ohne dass es wir eigens wahrnehmen, sehen. Manches nehmen wir ab und zu bewusst in den Blick, schauen es uns an. Manches fällt uns plötzlich besonders auf und wir fixieren es. Von manchem werden wir wie gerührt, berührt, wird unser Blick genommen. Als würde in diesem etwas liegen, sein, was sich in unser Sehen, Leben hinein gibt.

Etwas erscheint uns. Etwas, was vorher so nicht da gewesen ist, hebt sich irgendwie ab, taucht auf, kommt zum Vorschein und ist jetzt da. Es ist vor uns und wir sehen es, erkennen es. Es ist erschienen und sichtbar. Als wären wir in unserem Sehen erleuchtet durch das, was uns erscheint. Es scheint wie selbst, ist Licht, glänzend vor unseren Augen. Im Erscheinen erkenne ich in diesem Moment die Bedeutung dessen, was erscheint, für mich. Mir wird das andere klar, was es ist.

Es ist eigentümlich: Es könnte dann auch immer noch oder wieder purer Schein sein, bloße Erscheinung, Trug. Es passiert aber auch ganz intensiv zwischen Menschen und dann ist es Beginn von Liebe. Der andere wird mir in seiner Bedeutung für mich erkennbar.



Lichtstrahlen

Jesus hat auch seine Konturen, seine Worte, seine Taten, seine Zuwendung, seine Geburt, sein Tod, sein Leben. Er erscheint auch und Menschen nehmen ihn wahr, das was er bedeutet. Jesus erscheint und seine Bedeutung, das, was er ist, wird sichtbar und Menschen nehmen sie für ihr Leben wahr, vielleicht an und ernst, selbst auch gelichtet. Immer im drohenden Schatten des bloßen Scheins und immer mit der Aussicht auf den Beginn der Liebe.

Was die Erscheinung Jesu bedeutet, umkreisen die biblischen Texte für den heutigen Epiphaniastag:

Im Propheten Jesaja wird das Erscheinen, das Erstrahlen des Lichts erhofft, werden Menschen dazu angespornt, sich dem kommenden Licht zuzubewegen, wird diese Erscheinung sehnsüchtig erwartet als Befreiung aus der Finsternis für alle. Im Matthäusevangelium sehen die drei heiligen Könige, die Weisen aus dem Morgenland ganz weihnachtlich das Licht im Jesuskind, erst nicht direkt. Der Stern von Bethlehem weißt als Lichtzeichen auf das Licht. Die Weisen folgen. Das frisch geboren Licht der Menschen wohnt im engen Raum, bei denen am Rande, wirklich als Gott in der Dunkelheit. Bei Markus ist Gott ganz selbst Licht vom Himmel und er sieht im erwachsenen Jesus, der sich taufen lässt, den, der es sein soll, seinen Sohn, und gibt ihm alle Lichtworte und Lichttaten für die Zukunft. Für Johannes leuchtet die Bedeutung von Jesus in seinen Wundertaten herrlich auf. Indem Jesus Wasser zu Wein verwandelt, erscheint seine göttliche Herrlichkeit und Menschen werden mit Glauben erleuchtet, oder ihr Sinn bleibt verfinstert. Durch seinen Tod am Kreuz, auf den alle Evangelien zulaufen, ist das herrliche Licht schmerzvoll verdunkelt, und es ist ein tiefes, auch fast dunkles Geheimnis des Glaubens, gerade darin Gott escheinen und das Heil für uns aufleuchte zu sehen. Im Lichte der Auferstehung Jesu, mit der alles endet und eigentlich alles beginnt, wird ganz klar und sichtbar: In Jesus ist Gottes Sohn erschienen. Zu ihm steht Gott und Gott setzt alles, was Jesus gesagt und getan hat, ins göttliche Licht. Mit ihm richtet er sein herrliches Königreich auf, bis dass er wiederkommt und uns allen erscheint.



Hervorleuchten

Jesus erscheint. Damals vor gut 2000 Jahren und zu der Zeiten Ende. Beides mal erscheint Jesus leibhaftig und unmittelbar. Direkt spürbar und sichtbar. Mit voller Wirkung. Dazwischen leben wir, zwischen erstmaliger und endzeitlicher Erscheinung des Herrn. Was ist das für eine Erscheinungszeit?

Jesus erscheint. Wie bei jeder Erscheinung wird ihre Bedeutung sichtbar, spürbar. Sie wird es durch die ganz eigene, besondere Wirkung, die auf die ausgeübt wird, die sie sehen. Jesu Wirkung auf uns, ist dass er uns etwas von Gott erschließt, dass uns etwas aufgeht von Gott, vom Himmel, vom Seelenfrieden. Jesus erscheint und uns erscheint Gott in unserem Leben. Jesu Wirkung ist die Wirkung einer unermesslichen Liebe, die uns in Freiheit für sich gewinnt, für Gott gewinnt, die die Herzen aufschließt und die Sinne öffnet, die die Bedeutung Gottes uns aufgehen lässt im Leben.

Und das ist ein Epiphanie-Fest. Licht im Dunkeln scheint. Seelenfinsternis endet. Gott sammelt liebevoll unsere Lebensfragmente. Sein Glanz legt sich auf uns. Seine Herrlichkeit schmiegt sich in unser Lebenslauf ein. Sein Reich voller Friede, Bewahrung, Leidenschaft, Leben wird an uns sichtbar, gewinnt durch uns Gestalt, Form, Konturen.



Wir erscheinen. Wir erscheinen als Gestalt von Jesus, als  Gottes Söhne und Gottes Töchter, als von Gott geschaffene, bewirkte, geliebte, wohlgefällige, zukünftige Menschen. Es ist unser alljährliches, lebenslanges Fest der Epiphanie, der Erscheinung der Liebe Gottes.

Sonntag, 23. Dezember 2018

Aus der Fülle leben


Predigt zum Christfest 2018

Johannes 1, 1-5-9-14.16a
1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. 2 Dasselbe war im Anfang bei Gott. 3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. 4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen. 9 Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen. 10 Es war in der Welt, und die Welt ist durch dasselbe gemacht; und die Welt erkannte es nicht. 11 Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf. 12 Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden: denen, die an seinen Namen glauben, 13 die nicht aus menschlichem Geblüt noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen eines Mannes, sondern aus Gott geboren sind. 14 Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. 16 Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.

Lebendige Fülle
In Gott wohnt alles. Wirklich alles. Alle Zeit, aller Raum, alles Dasein. Alles wohnt in Gott: der Anfang, das Jetzt, das Gestern, das Morgen, die vergangene, die gegenwärtige und die zukünftige Zeit, und die Ewigkeit. Alles, was ist, was war und sein wird, ist von Gott her, von ihm gemacht, gewollt, ersonnen, ins Dasein gebracht. Vielleicht auch irgendwie das Dunkle, Schwere. Alles hat in Gott seinen Ursprung, alles ist sein Eigentum, gehört zu ihm, gehört ihm, ist seines. Alles ist ihm eingeboren, ist durch ihn einzig und einzigartig geworden, lebt von ihm her und auf ihn zu, hat sein Leben von ihm.
Gottes Fülle, dass alles in ihm wohnt, ist den Menschen, die immer in der Zeit geboren sind, vorgängig. Gott ist absolut anfänglich zu jeder Zeit. Menschen sind in der Zeit, leben vom gemachten, gesetzten, geschenkten Anfang. Gottes Fülle ist herrlich glänzend, sie ist Licht und Leben, sie lebt in sich, ist in sich lebendig, voller Gott. Die Fülle schlechthin. Und diese Fülle ist da, immer, wirklich immer und sie ist bereit. Sie ist uranfänglich lebendig.

Überfließen
In Gott wohnt die Fülle und die Fülle ist für Gott sein Wesen, sie ist ihm Thema und gegenüber, sie ist in ihm und sie steht ihm wie gegenüber. Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Gottes Fülle tritt in ihm aus ihm heraus. Sie bleibt nicht bei ihm, sie kann das gar nicht. Gott will es nicht. Gottes Fülle will aus ihm heraustreten, will Gestalt gewinnen, will werden, so wie unser Denken, unser Spüren, unser Planen, Leiden, Hoffen, unser inneres Leben im Wort nach Außen, aus uns heraustritt, treten muss. Nur bei Gott in aller Fülle.
Gott bleibt nicht bei sich. Seine Fülle tritt aus ihm heraus, sein eines Wort wird Wörter. Gott geht sein Herz über. Er kommt zur Welt. Er kommt zu uns. Er wird Fleisch, Gestalt, spürbar, sichtbar, erlebbar. Er erscheint, trennt Licht und Dunkelheit, er erleuchtet, wohnt unter uns, ist und wird Gott im Gegenüber zu allem, was ist und was aus seiner Fülle entspringt, entlassen wird. Seine Fülle, mächtig in sich, göttlich in sich, schafft, hat ein Gegenüber, eine Wirkung, ein Objekt, das sie, das Gott zum Subjekt seiner Liebe macht, damit er alles Geschaffene, alles von ihm Geliebte einholt in seine Fülle, in sein Werden, in seine unendliche, in sich ruhende Liebe.

Nehmen
Es ist der Menschen Freiheit, in diese Fülle wie einzukehren, dort zu wohnen. Es wird zur Herausforderung, zur Frage, die im Leben, die durch das Leben eines Menschen beantwortet werden muss: Ergreift der Mensch diese Fülle, stellt er sich ins Licht. Oder nicht. Erkennt er Gottes Wahrheit und Gnade und lässt sich von ihr erleuchten. Oder nicht. Nimmt er Gottes Liebe auf, nimmt er sie an. Oder nicht. Freiheit und Chance liegen ganz dicht beieinander.
Die einen werden im Versuch, darauf zu antworten, Gottes Geburt im eigenen Leben wahr werden zu lassen, zu Gottes Kindern und leben aus diesem Grund, aus dieser Fülle, Stück für Stück, Gnade, für Gnade, nie perfekt oder ununterbrochen, aber geliebt und getröstet. Die anderen finden keine Antwort darauf, versagen sie und wohnen in der Finsternis und haben einen anderen Grund als Gottes Geburt in ihnen. Sie leben aus einem anderen vorgegebenen Grund, aus dem Blut und dem Willen anderer, aus deren Leben biologisch und sozial gezeugt, begründet, aber nicht von Gott geschaffen. Sie haben einen anderen Werde-Grund als Gott.
Dabei möchte Gott in allen geboren werden. Deswegen ist Weihnachten jedes Jahr. In Jesu Geburt, in seinem ganzen Leben, in seinem Tod und seiner Auferstehung wird durch das Leben eines Menschen die Fülle zugänglich fließt sie über, nimmt selbst den Tod mithinein, schafft aus seinem Nichts das Leben wieder, will unbedingt unter allen Umständen in unserem Leben geboren werden, unser Grund zum Leben sein, will sein Wort im Anfang zu unsere immerwährenden Ant-Wort auf Gott sein. Amen.

Seleigmachender Seelenspiegel


Predigt an Heiligabend 2018Bildergebnis für stille nacht heilige nacht gottesdienstinstitut
Trotzdem berührend
„Stille Nacht, heilige Nacht“, vielleicht Kitsch, vielleicht ein religiöser Schlager. Aber doch berührt dieses Lied, geht es zu Herzen, durch seine einfache, erhebende, wiegende Melodie, durch seinen schlichten Text. Irgendwie stellt es uns an die Krippe, staunend, still, ist es ein Liebeslied für das frischgeborene Gotteskind, trifft es unsere Sehnsucht. Ist diese „Stille Nacht, heilige Nacht“ ein kleiner Seelenspiegel.
So wie das Bild dazu. Ein Foto. Ein Foto einer Landschaft, einer vor unseren Augen still gestellten Landschaft, in Blau getauchte Berge, ein ruhender mit verschiedenen Blautönen getränkter See, ein Lichterbaum auf einem Steg, der sich im Wasser spiegelt. Eine Momentaufnahme, vielleicht Morgendämmerung, ein Augen-Blick, der im Schauen in unserer Seele auf Bewegung trifft und sie in Schwingung, in Bewegung setzt.
Lied und Bild. Und irgendwie auch bei beidem das Gefühl: Ganz so ist es nicht, selbst am Heiligen Abend. Ganz so still, heilig und friedlich ist es nicht. Lied und Bild siedeln sich direkt neben anderen Bildern, Tönen und Worte an, die von einer viel unbarmherzigeren und unseligen Wirklichkeit sprechen, um sie wissen, gerade auch heute am Tag der Gottesgeburt im Stall der Armen. Bild und Lied sind nah am Kitsch, an der Übertünchung und Vertröstung, sie sind aber auch nah an unseren Herzen und Seelen, an jener durch die Dunkelheit hindurch geborenen Verheißung Gottes: So soll es für euch werden. Euch ist heute der Retter geboren. Euch schlägt jetzt die Stunde, an der es für euch heilig wird. Bild und Lied werden vor euren Augen zu eurer Wirklichkeit.

Ruhig geboren
„Stille Nacht, heilige Nacht“ spiegelt sich hinein in die Nächte der Menschen, die manchmal so weinig still und heilig sind, Nächte, in denen Menschen den Schlaf suchen und nicht finden, unruhig sind, das Lebensdunkelheit in der Nacht noch drückender ist, Nächte die von Lebensnächten erzählen, die unsere Seelen verfinstern. In diesen Nächten geschieht jene Geburt, für diese dunklen Lebensnächten geschieht sie.
Stille Nacht heilige Nacht soll es dort werden. Als würde Gott in jener einen Nacht tief Atem holen für sein Rettungswerk an allen Menschen zu allen Zeiten. Gott hat jene himmlische Ruhe für uns im Sinn, alles schläft und er wacht über uns, er legt uns schlafen und möchte unsere Ruhe, aus der wir Kraft schöpfen. Traut und hochheilig bergt Gott still uns in sich, wiegend, haltend, seine Lieben schenkend. Es ist sein Liebeslied für uns.
Gott gebärt sich in unsere Nächte, die ganz realen. Dann dämmert es, dann bricht mitten zur Nacht sein Licht langsam an. Dann bewegt sich vor unseren Augen das Bild und wir haben Anteil an ihm, stehen dort am Seeufer, schauen still staunend und wissen, spüren, Licht und Dunkelheit gehören zum Leben, die Weite auch, das ins Dunkle Getauchte, was unsere Seele droht, aber Gott schenke uns Ruhe und Stille, tief, tief in unsere Seele: Stille Nacht, heilige Nacht. Töne werden, wir werden einbezogen, hören mit, was damals die Engel sangen, es wird am Ufer stehend zu unserem Gehörten, mitten in der Stille klingt es in uns, fern und nah: Christus, der Retter ist da.

Ein Anflug von Lächeln
In Himmel ist nie nur, ganz Ruhe. Kann es nicht sein. Dort sind all die Schreie der gequälten Schöpfung zu hören, das Weinen der Kinder, das Klagen der Leid Geprüften, das Anfragen der geschundenen Seelen, das leise Wimmern der in den Krieg Getriebenen. Das alles halt und ist laut, auch und gerade in der stillen, heiligen Nacht. Das alles lärmt zu recht im Himmel und schallt wieder als Gottes Schmerz über seine und mit seiner Schöpfung. Gott könnte das Lachen schon längst vergangen sein.
Aber seine Liebe macht Gott unruhig, unruhig, leidenschaftliche für seine Liebe, die immer größer ist als alles anderem, größer als der Himmel, eine Liebe, die ihn zu Erden treibt, zu Menschen, zu uns Menschen, dort in deren Leben als Liebe, als Hilfe, als Kraft, als Trost geboren zu werden. „Gottes Sohn, o wie lacht Lieb aus deinem göttlichen Mund“. Und Gott lacht doch in dieser Nacht, in jener damals und in jeder, in die er uns Licht gebracht.
Nicht nur wir sagen und singen „Du“ und „o“, nicht nur: unsere Nächte sind gemeint, sondern: In der Krippe ist Gott anmutig zu sehen, hold, schön, wunderbar, Gottes Mensch gewordenes Gesicht trägt lächelnde Züge. Wir dürfen uns Gott in diesem Augenblick, in der selbstgewählten Art, im Dunkeln zu wohnen, glücklich vorstellen, glücklich über uns, über unsere Rettung, glücklich lachend aus tiefer Herzensliebe, uns heute hier und jetzt anlächelnd, sagend: Christ, in deiner Geburt. Christ, in meiner Geburt Das Bild geht weiter, immer weiter. Kein Moment, auch nicht der von Heiligabend, ist festzuhalten, unsere Seele wird an Weihnachten neugeboren, sie spiegelt sich in jenes Bild hinein und entdeckt es wie das Lied, wie dieser Abend, als ein Geschenk, als ein geschenkter Augenblick Gottes, einer voller lebendiger Ewigkeit für uns: Stille Nacht, heilige Nacht. Amen.